Von Lisa Thiele, Leipzig (Text und Fotos)
Als die Initiatoren Jan Hartmann und Andreas Neubert im Jahr 2003 ihre eigene Existenz als Designer in Leipzig gründeten, mangelte es an einem mitteldeutschen Netzwerk für Designer. Wer erfolgreich im Designbusiness arbeiten wollte, reiste dazu auf internationale Messen und präsentierte sich dort. Ende 2004 realisierten Hartmann und Neubert ihre erste Idee von einem Designnetzwerk in Mitteldeutschland. Damals wurden kleine Einzelhandelsgeschäfte in Leipzig bespielt.
Auch bei der diesjährigen Designers Open wurden verschiedene Läden im gesamten Stadtraum von Leipzig eingebunden. Alle acht der genannten DO/Spots boten ihr individuelles Programm an. Die DO/Spots befanden sich im Tschau Tschüssi, bei Bretz, im mzin, im pussygalore, bei Betonware, in der Boutique tragbar, im Herbert Kresse und bei Spreadshirt.
Das Zentrum der Designers Open lag im „Merkurhaus“ in der Leipziger Innenstadt. Das leerstehende Kaufhaus bot mit seinen sechs Etagen ausreichend Raum für alle Aussteller - inklusive einer Etage extra für Abendveranstaltungen. Das altehrwürdige Kaufhaus versinnbildlichte die einmale Konzentration der sonst so heterogenen Designwirtschaft in Mitteldeutschland. Denn gerade im mitteldeutschen Raum arbeiten viele freiberufliche Autorendesigner und sind nahezu auf sich selbst gestellt.
Auf der Designers Open konnten sich die Designer vor einem breiten Publikum beweisen. Haben die Produkte bestand? Sind meine Ideen für potentielle Käufer interessant? Das waren einige der Fragen, deren Antworten die Designers Open liefern konnte. Über den Publikumskontakt hinaus, bot das umfassende Rahmenprogramm der Messe fachliche Anregungen für die Designer. Täglich wurden Vorträge, Workshops und Filmdokumentationen angeboten. Auch das Nachtprogramm der Messe mit der Modenschau, den Whizzkids-Partys und weiteren Special Guests lockte die Besucher an.
Kahla / Thüringen Porzellan GmbH: Functional Gifts
Die Vielseitigkeit der Messe wirkte! Design in Mitteldeutschland hat eine Plattform. Diese Plattform ist in den vergangenen Jahren merklich gewachsen. Die Designers Open ist eine professionelle Bühne auf der sich qualitative Ideen und Projekte zeigen – und zeigen sollten!
Derzeit vertritt die Messe Interieur-, Fashion-, Industrie-, und Kommunikationsdesign. Für viele der Aussteller kann die Messe ein wichtiger Meilenstein ihrer Arbeit sein. Vor allem Jungdesigner können hier ihr großes Ziel verwirklichen und auf der Messe ein repräsentables Produkt vorzustellen. Das dreitägige Festival ist nicht nur Messe, sondern eben auch ein wichtiger Verkaufsstandort für die Aussteller. Daher heißt es im Vorfeld, Produkte und Konzepte zu entwickeln, die einfallsreich und dennoch verkäuflich sind. So zeigten die Designer vom Leipziger Büro für Gestaltung YEAYEA zwar stylishe Prototypen für für Tischlampen und Designsessel. Diese konnten sie jedoch noch nicht zum Verkauf anbieten. Fixe Ideen wie Gürtel aus alten Radschläuchen oder die weiße Weckerbox zum selbst bauen und beschriften, lockten dennoch die Besucher an den Stand. Liebhaber zumindest konnten die Teile erwerben und sich ein Designstück zur individuellen Gestaltung mit nach Hause nehmen. Unter den Ausstellern fanden wir übrigens auch den Stiefelspanner-Hersteller airmici vienna, den wir euch bereits im März vorgestellt hatten.
airmici vienna: Aufblasbare Stiefelformer mit individuellen Drucken…
Bei den Lichtdesignern stand dieses Jahr eine aktuelle Entwicklung im Vordergrund: Das Verbot der Glühbirne. Nun, was tun mit alten Glühbirnen? Creative Recycling für bastelfreudige Geometriefans! Bulbs unlimited bot ein Starterkit für individuelle Lichtobjekte an. Mit Druckknöpfen können beliebig viele Glühbirnen miteinander verbunden werden. Eine Anleitung, Druckknöpfe und ein Inkubator zur Markierung der Positionen der Druckknöpfe sollen zum Kauf bewegen.
Die Meinungen der Kunden und die Verkaufszahlen geben den Designern ein direktes Feedback für ihre Konzepte und Produkte. Aber auch der Jury-Preis ist jedes Jahr ein Anreiz für die Aussteller. Die Jury überreichte die Preise am Freitagabend für drei ausgewählte Konzepte. Vertreten unter den Juroren waren Karen Bofinger, Textchefin der form (Zeitschrift für Design, Basel), Madeleine Voigt, Vizepräsidentin VDMD/DDV, Stephan Demmrich, Chefredakteur Wohn!Design aus Stuttgart und Richard Lampert, Inhaber der Richard Lampert Gmbh & Ko. KG aus Stuttgart. Bewertet wurden die Preisträger anhand des Innovationsgehaltes, der Reproduzierbarkeit, des Erscheinungsbildes und der Nachhaltigkeit des Produkts.
Der erste Platz des Jurypreises für’s Designersushi…
Den ersten Preis überreichte die Jury nicht für ein eigentliches Produkt. Vielmehr überzeugten Michael Antons, Torsten Klocke und Ruth Maria Sahner mit ihrem kreativen Konzept „mmmh! Designersushi“. Bei Kreativitätsmangel oder gar -verlust greife der gestresste Designer zu einem der Assoziations-Leckerbissen und lasse sich inspirieren. In kleinen Schälchen werden Perlen, Schlüssel, Aufkleber, Plastefiguren, Spielzeug, Nippes, Schrauben und aller möglicher Krimskrams gereicht. Brainfood für ausgelaugte Designer, sozusagen. Nun können sich die Gewinner auf eine Teilnahme an der internationalen Sommerakademie des „Centre Georges Pompidou“ in Boisbuchet Südfrankreich im Wert von 900 Euro freuen.
Der zweite Platz des diesjährigen Jury-Preises ging an Schindelhauerbikes aus Magdeburg. Die drei eleganten Zahnriemenräderentwürfe konnten sogar die Jury dazu bewegen, das Auto stehen zu lassen. Der dritte Platz wurde im Bereich Modedesign an das Label MILCH verliehen. Die Idee hinter der aktuellen Kollektion ist genial: Aus alten Herrensachen werden elegante und witzige Damenstücke gemacht. So kann es passieren, dass das Tubekleid am unteren Bund mit einen Herrenhosenbund inklusive Taschen und Gürtelschlaufen versehen ist.
Vernissage und Party mit THE OFFER im DO/Spot tragbar im Specks Hof.
Die Professionalität der Designers Open 2009 und die Qualität und Vielfalt konnten in diesem Jahr überzeugen. Die Veranstaltung ist aus ihren Kinderschuhen herausgewachsen. Und es gibt auch schon neue Pläne: Die Initiatoren Hartmann und Neubert wollen zukünftig einen festen Standort für das dreitägige Festival etablieren. Damit möchten sie die Messe ganzjährig sichtbar machen. Allein diese Pläne dokumentieren den bisherigen Erfolg und künden von der weiteren Entwicklung der Designers Open.















