Von Katrin Völkner, Paris
Was Picasso für die Kunst ist, ist sie für die Mode – die Designerin Madeleine Vionnet bezeichnete sich selbst als Künstlerin und sorgte in den späten 20er- und frühen 30er-Jahren immer wieder für den Gesprächsstoff. Sie schuf Kleider, die das gesamte Verständnis der Schneiderkunst auf den Kopf stellten. Statt die Stoffbahnen nach exakten Schnittmustern zuzuschneiden, drapierte sie sie direkt am Model. Dabei fand sie heraus, dass die Kleider am meisten “fließen”, wenn sie schräg zugeschnitten werden. Das Musée de la Mode et du Textile widmet dem Œuvre der Pionierin derzeit eine eigene Ausstellung.

Modefans sollten sich das Musée de la Mode auf der Rue de Rivoli nicht entgehen lassen. Fotos: Katrin Völkner für styleranking
Die zarten Kleider aus Crêpe de Chine oder Seidenmousselin umfließen die Silhouette auf elegante Weise. Kein Haken, kein Knopf stört, nur ab und an bringt ein Gürtel die Kreationen auf Taille. Details wie Rüschen, Pailletten, Biesen und Paspeln schmücken sie auf edelste Weise. Und doch ist ihre französische Schöpferin beinahe in Vergessenheit geraten. Madeleine Vionnet begann im zarten Alter von 12 Jahren ihre Schneiderlehre und zählte später neben Coco Chanel, Madame Grès und Elsa Schiaparelli zu den bedeutendsten Modemacherinnen ihrer Zeit.

In der Dauerausstellung könnt ihr Dutzende von Kleidern der Designerin Madelaine Vionnet genauer unter die Lupe nehmen.

Kleider, wie sie wohl Prinzessinnen tragen. Besonders das rechte mit aufgestickten Paillettenstiften hat das Zeug zum Lieblingsstück.
Vionnet war nicht nur die Entdeckerin des Schrägschnitts, den heute viele Designer für ihre glamourösen Abendroben verwenden – sie unternahm auch als erste Designerin etwas gegen Fälschungen. Berechtigterweise hatte sie Angst vor Kopien und so ließ sie jedes Kleid im Atelier abfotografieren und mit einem Copyright versehen. Sämtliche Copyright-Alben hat das Museum inzwischen archiviert.

In einer Ecke des Museums können sich Besucher in die 30er-Jahre zurückversetzen. Denn hier wurde ein Teil des Hauses nachgebildet, in dem die Designerin ihre Kleider fertigte.
Kurzinfo
Das Musée de la Mode et du Textile findet sich im 1. und 2. Stock des Musée des Arts Décoratifs. Das Museum hat rund 16.000 Kostüme eingelagert, darunter auch von Dior und Chanel, die es innerhalb der jeweiligen Ausstellungen zeigt.
Öffnungszeiten: Di, Do, Fr: 11–18 Uhr, Mi 11–12 Uhr, Sa & So 10–18 Uhr
Metrostation: Palais Royal – Musée du Louvre

Ich schreibe drei Monate lang bis Ende November für euch aus Paris. Weitere Berichte aus der Hauptstadt der Mode von mir findet ihr hier:
Pariser Messen: Die Termine für 2010
Stoffmarkt Montmartre: Ein Paradies für Schneider und Designer
Luxus-Shopping in Paris, pt. 5: Rue Saint-Honoré & Place du Marché Saint-Honoré
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