Von Katrin Völkner
40 Jahre BRD und dann noch 20 Jahre Mauerfall – endlich wagen wir Deutschen es, uns selbst zu feiern. Und mehr noch: Der Hang zum Patriotismus ist auch in der Mode angelangt. Nicht nur, dass Adidas aus Herzogenaurach zu einer der größten Sportbekleidungsfirmen der Welt aufgestiegen ist und deutsche Designer wie Jil Sander, Gabriele Strehle (Strenesse) und Karl Lagerfeld international erfolgreich sind – auch typisch deutsche Mode in Schwarz-Rot-Gold ist extrem angesagt. Zudem wird, bei einem Überfluss an Billigmode aus China, Mode made in Germany immer beliebter.
Das erkannten auch MTV-Moderator Joko Winterscheidt, der Schauspieler Matthias Schweighöfer, der Berliner Modedesigner Kilian Kerner und Sebastian Radlmeier, aka DJ Sebrok und Betreiber des Musiklabels PASO Music. Die vier setzten sich vor gut einem Jahr zusammen und gründeten German Garment. styleranking sprach mit Joko Winterscheidt über das Label, die Arbeit, die dahinter steckt, und darüber, was er mit Deutschland verbindet.
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Vier Freunde, ein Label: Vor einem Jahr hatten die Jungs die Idee zu German Garment. Von links nach rechts: Joko Winterscheidt, Sebastian Radlmeier, Matthias Schweighöfer und Kilian Kerner. Foto: Thomas Berg
styleranking: Ihr hattet die Idee zu German Garment bereits vor einem Jahr. Wie kamt ihr dazu, ausgerechnet Mode zu entwerfen?
Joko: Wenn ich ganz ehrlich bin, haben die Berufe Designer und Moderator bzw. Schauspieler gar nichts gemeinsam. Sie sind zwar alle kreativ, aber die Anforderungen sind komplett anders. Aber ich wollte schon immer mal Klamotten machen. Das war meine Motivation. Da sind wir dann eines Abends in der lustigen Runde mit Sebastian, Matthias, Kilian und mir darauf gekommen, dass wir alle Bock auf ein kleines entspanntes Label hätten. T-Shirts liegen da ja nahe. Uns geht das schon lange auf die Nerven, dass alle in Asien produzieren lassen und sich die Taschen voll machen, ohne über die Umstände dort nachzudenken. Also haben wir uns für die Produktion in Deutschland entschieden.
styleranking: Wie habt ihr die Arbeit unter euch aufgeteilt, wer ist der kreative Kopf und wer hat eher Talent fürs Marketing?
Joko: Ich glaube, wir sind alle Allrounder. Keiner ist perfekt in seinem Gebiet, aber die Masse machts. Kilian und Olli, der lieber im Hintergrund arbeitet, sind für die Designs verantwortlich. Sie sprechen aber alles mit uns ab. Es gibt auch Shirts, die von uns anderen kommen, die allerdings wiederum von den beiden umgesetzt werden müssen, weil wir technisch zwei linke Hände haben. Was Markting und PR angeht: Zum einen wissen wir ganz gut, wie man sich selbst vermarktet und zum anderen haben wir mit Silk Relations auch eine sehr coole PR-Agentur im Rücken. Das Tolle ist aber, dass wir Jungs durch das Label zwar Arbeit haben, aber auch zusammen herumhängen und die Zeit miteinander genießen können.

Einfache Schnitte, streetwearige Drucke: Damit feierte German Garment bereits wenige Wochen nach der Gründung große Erfolge.
styleranking: Was ist dir wichtiger: Die eigenen Ideen zu verwirklichen oder wie H&M etwas zu kreieren, was eine breite Zielgruppe anspricht?
Joko: Beides ist wichtig! Du hast nichts davon, ein T-Shirt zu machen, das der Hammer aber niemandem zugänglich ist. Du musst einen Mittelweg finden. Wir werden sicher nie wie H&M Millionen von Shirts in einem Design drucken und dann um die ganze Welt verteilen. Wir werden immer unsere ausgewählten Läden haben, unseren Online-Store und eventuell noch ausgeählte andere Online-Shops. Das Ziel ist es bestimmt nicht, ein zweites H&M zu werden. Wir achten lieber darauf, dass alles korrekt für Mensch und Umwelt hergestellt und qualitativ auch hohen Ansprüchen gerecht wird.
styleranking: German Garment setzt ja auf Mode made in Germany. Warum ist es euch so wichtig, hier zu produzieren?
Joko: Dass wir hier produzieren, hat mit ethischen Grundsätzen zu tun. Ich will wissen, wer das T-Shirt färbt, näht und verpackt. Ich will nicht zehn Euro mehr Gewinn machen und dafür Kinderarbeit in Asien fördern. Uns ist es wichtig, dass alles korrekt abläuft und dass wir abends ins bett gehen können und sagen: Wenn wir nur einen Job gesichert haben, der eine Familie ernährt, dann hat es sich gelohnt. Es geht nicht um den größten Profit, sondern um den Aspekt der Menschlichkeit.
styleranking: Was bedeutet Deutschland für dich, was verbindest du damit und auf was können wir besonders stolz sein?
Joko: Deutschland ist in allererster Linie meine Heimat. Und egal, was hier in der Vergangenheit für Greueltaten begangen wurden und wie sehr man sich dafür schämt – man kann auf eine gewisse, gesunde Art und Weise auch stolz darauf sein, hier zu leben. Wir haben eine Politik, die funktioniert, mit der man zwar nie komplett einverstanden sein wird, aber wir leben in Freiheit. Wir Deutschen waren es, die es geschafft haben, zusammen mit ehemaligen DDR-Bürgern die Mauer einzureißen und uns wiederzuvereinigen. Wir haben der Welt zur WM 2006 gezeigt, wie toll unser Land ist, und ich freue mich über die positive Sicht der Welt auf Deutschland.

Schlicht, modern und cool: Das kann auch Fashion made in Germany sein, z.B. die T-Shirts von German Garment.
styleranking: Ihr habt seit Gründung des Labels wahnsinnig viel verkauft, unter anderem im Online-Store brands4freinds. Hängt der Erfolg mit eurem VIP-Status zusammen?
Joko: Wir haben den Vorteil, dass Matthias, Kilian und ich in der Öffentlichkeit stehen. Aber zum einen mag ich das Wort VIP nicht und zum anderen hätte keiner Interesse an den Sachen, wenn sie Grütze wären. Es ist wohl eher die Mischung: Dadurch dass alles in Deutschland produziert ist, appellieren wir an das Bewusstsein der Käufer, verantwortlich einzukaufen. Zum sprechen wir Hippster an, die gutes Design lieben – egal ob sie in Berlin Mitte oder auf dem Land wohnen. Unsere Kunden sind einfach Leute mit gutem Geschmack. Und natürlich wollen wir top Qualität liefern, was heute selten geworden ist.
styleranking: Ein eigenes Label bedeutet auch eine ganze Menge Arbeit. Wie schaffst du es, das alles unter einen Hut bringen?
Joko: Gar nicht! Ich habe noch nie soviel gearbeitet wie im Moment und verstehe endlich auch, warum immer alle sagen: Wenn du dich selbstständig machst, dann hast du kein Privatleben mehr. Ich hatte vorher schon keins, aber jetzt habe ich tatsächlich gar keins mehr. Ich will mich nicht beschweren – es ist angenehmer Stress. Bei den anderen ist es genauso, aber jammern habe ich bis jetzt noch keinen gehört.
styleranking bedankt sich für das Interview und wünscht Joko und den anderen Jungs noch viel Erfolg, besonders natürlich mit ihrem Label. styleranking hat bereits über German Garment berichtet. Hier geht’s zum Artikel.











