Von Katrin Völkner und Roland Schweins
Schmuseweich und traumhaft warm – im Winter lieben wir Jacken und Mäntel, in die wir uns richtig einkuscheln können. Sie sind gesteppt, mit Daunen gefüllt oder mit Teddyfutter ausgestattet. Auch Details wie Kapuzen, doppelte Reißverschlüsse und hohe Strickkrägen wärmen gut. Bei einem Thema aber gehen die Meinungen auseinander: Pelzmäntel. Alle Jahre wieder feiern sie Hochsaison. Die großen Häuser präsentieren ihre Ware und gut betuchte Damen führen sie auf der Königsallee in Düsseldorf und der Leopoldstraße in München spazieren. Meist blättern sie mehrere Tausender hin – für Mäntel, Jacken, Westen und Accessoires. Genauso müssen zuvor mehrere Millionen von Lämmern, Füchsen und Kaninchen dafür sterben.

Feilitsch Leder- und Pelzdesign präsentiert die Herbst/Winter-Ware. Foto: styleranking
Pelze sind in
Wer kennt das nicht: Da setzt sich in der Bahn eine Frau im ausladenden Pelz neben einen, man beäugt sie kritisch und denkt sich: "Von Tierschutz hat die Gute auch noch nichts gehört." Oder: Die Oma oder Großtante sortiert ihren Hausstand und verspricht einem gönnerhaft den ach so wertvollen Mantel - hergestellt aus mehreren niedlichen Raubtieren. Das Team der styleranking-Redaktion hat derartige Situationen schon dutzendweise erlebt.
Seit den 90er-Jahren boomt der Leder- und Pelzverkauf wieder. Und auch bei den Jüngeren sind pelzverbrämte Jacken, Stiefel und Fellmützen sehr beliebt. Genauso angesagt: Taschen, Handyhüllen und Armreifen aus Echsen-, Schlangen- oder Rochenhaut.
Viele denken gar nicht darüber nach, andere meinen: "Die Tiere werden doch sowieso getötet." Mit diesem Argument könnte man sich höchstens aus der Affäre ziehen, wenn man Schuhe aus Rindsleder trägt. In Europa gibt es rund 6500 Zuchtbetriebe. In Deutschland werden fast 30 Pelzfarmen betrieben, hauptsächlich zur Produktion von Nerzen und Fuchspelzen. Pro Jahr werden auf diesen Anlagen, die meist in Wäldern liegen, rund 300.000 Nerze gezüchtet.

Veganer meinen: Leder ist Pelz ohne Haare. Flyer: Dirk Gießelmann, soylent network.com
Aktivisten kämpfen für Tierleben
Zum Glück stellen sich immer mehr Gruppen deutlich gegen das sinnlose Töten von Tieren für die Modeindustrie. Die größte Tierrechtsorganisation PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) startet wieder und wieder Anti-Pelz-Kampagnen. So zeigt sie abschreckende Videos zur Tötung von Schwarzbären für Mützen der britischen königlichen Garde. Auch Giorgio Armani hat kein gutes Image bei den Tierschützern. Der zeigte nämlich kürzlich eine Kollektion, die von Fellen nur so strotzte, bis zum Baby-Schneeanzug mit Fellbesatz. Und das, obwohl er versprochen hatte, keine Felle mehr zu verwenden. PETA stattete sein Foto kurzerhand mit einer Lügennase à la Pinocchio aus und stellte es vor das Armani-Stammhaus in Italien.
In eineraktuellen Kampagne posiert der Comedian Kaya Yanar für den Anti-Pelz-Feldzug von PETA. Unter dem Slogan „So trägt Mann Pelz!“ zeigt er sich mit extrem haariger Brust - ein schrilles Motiv mit ernstem Hintergrund, mit dem er aktiv zum Boykott von Pelzmode aufruft. Tierschutz kann auch Spaß machen. „Ich frage mich oft, mit welchem Recht wir den Tieren das Fell über die Ohren ziehen. Okay, vielleicht war das mal vor tausenden von Jahren nötig, aber heute haben wir doch so tolle Erfindungen wie Polyester und Nylon, die uns warm halten", sagt Kaya Yanar.

Comedian Kaya Yanar in der aktuellen PETA-Kampagne.
Und das tun die internationalen Stars
Während Mary-Kate und Ashley Olsen von Aktivisten als die "Fell-Hexen" bezeichnet werden, posieren Schauspielerin Ariane Sommer und Schwimmgröße Amanda Beard für PETA unbekleidet vor der Kamera, ganz nach dem Motto: "Lieber nackt als im Pelz". Selbst Pamela Anderson verbindet man inzwischen nicht mehr nur mit Baywatch und dem Playboy, sondern man kennt sie als Pelz-Hasserin.
Doch nicht alle verhalten sich so konsequent: Im Jahr 1994 behauptete auch Topmodel Naomi Campbell, lieber würde sie unbekleidet herumlaufen als einen Pelz zu tragen. Die Haltung dauerte keine sechs Jahre. Trotz Kritik in der britischen Presse zeigt sie ihre zurückgewonnene Lust am Fell im Jahr 2000 sowohl auf dem Laufsteg wie auch im Privatleben.


Pamela Anderson und Eva Mendes: Klare Aussage gegen Pelzmode. Fotos (3): PETA
Die wohl bekannteste Verfechterin unter den Designern ist aber Stella McCartney (38). Die Tochter von Ex-Beatle Paul stieg nach ihrem Abschluss am renommierten St. Martins College of Art & Design bei Chloé ein und gründete anschließend ihr eigenes Label. Es folgten Kollektionen für Adidas, H&M und das Kaufhaus Printemps. Als Vegetarierin verzichtet sie in ihren Kollektionen ganz auf Leder und Pelz und bezeichnet das Ergebnis als "vegan". Im Juli 2007 rief sie mit PETA auf Second Life den ersten virtuellen Anti-Pelz-Protest ins Leben.
Stella ist so konsequent in ihrer Haltung, dass sie sich sogar weigerte, Camilla Rosemary Mountbatten-Windsor, die Frau des britischen Thronfolgers Charles, zu einer Modenschau einzuladen, weil sie deren Vorliebe für die Fuchsjagd verachtet.
Ein Leben ohne Pelze?
Pelze sind glamourös und Mittel zum Zweck. "Seht her, ich bin reich", einfacher kann man es nicht zeigen. Noch ist die Gesellschaft nicht so weit, sich komplett gegen Pelzmode zu stellen. Doch heute, wo mehr denn je über Umweltschutz, ökologisch und fair hergestellte Textilien und Green Fashion diskutiert wird, sollten berühmte Tierrechtler wie Stella McCartney ein Vorbild für alle sein.
Modedesigner wie Fashionist(a)s können Tiere vor grausamer Haltung und Tötung bewahren, wenn sie zu Kunstpelz greifen. Denn wer gar nicht verzichten kann, dem sei geraten: Gerade Kaninchenfell-Imitat aus Kunstfasern sieht täuschend echt aus.
Mehr zum Thema findet ihr heute in der TwoForFashion-Blogparade hier…











