Von Katrin Völkner, Paris 
Designer-Mode fällt bekannterweise oft dem Vorurteil zum Opfer, oberflächlich und nur für die Reichen gemacht zu sein. Dass sie auch Menschenleben retten kann, beweist die Ausstellung "Firmousses de Créateurs" ("Puppengesichter der Designer"). Gestern abend um 18 Uhr lud die Menschenrechtsorganisation Unicef zur Vernissage im Petit Palais.
"Leider leben Unmengen von Kindern auf unserem Planeten in Armut", sagt Cynthia Sarkis, Organisatorin der Ausstellung. "Gebt Ihnen eine Chance, Liebe zu bekommen! Das ist ein Geschenk fürs Leben und für eine bessere Welt!"
Kleine Puppen, groß in Mode: Die Erlöse der Ausstellung gehen an die Kinder in der konfliktgebeutelten Dafur-Region im Sudan. Foto: Unicef
Sie blicken zur Seite, lugen mal unter ihrem vollen Pony hervor oder lachen den Betrachter auch mal freudig zu. Ihre Kleider, mal rote Roben, mal traditionelle Gewänder fremder Kulturen, verleiten zum Träumen. Mode im Miniaturformat.
Seit 2003 entwerfen weltberühmte und aufstrebende Designer für Unicef ihre ganz besonderen, einzigartige Puppen. "Es ist eine tolle Sache, dass man mit Mode so vielen Kindern helfen kann", waren sich alle Designer und Künstler einig, mit denen styleranking während der Ausstellungseröffnung sprach.

Prunkvoller könnte die Location für die Ausstellung "Frimousses de Créateurs" kaum sein: Der Petit Palais findet sich zwischen Seine und Champs-Elysées. Fotos (13): Katrin Völkner

Alle waren sie da, darunter Organisatorin Cynthia Sarkis (ganz links), Drouot-Chef Georges Delettrez, Chantal Thomass, Valéria Attinelli (3.-5. von links) und Delphine Arnault-Gancia (4. von rechts).
Unter den prominenten Gästen waren Persönlichkeiten wie Schauspielerin Isabelle Adjani, Delphine Arnault-Gancia, Tochter von LVMH-Bernard Arnault, sowie Georges Delettrez, Chef der Drouot-Holding, zu der über 70 Versteigerer zählen. Natürlich gaben sich auch die Designer selbst die Ehre. Darunter: Christophe Guillarmé, Agnès B. und – die Grande Dame der Lingerie, Chantal Thomass! Zunächst einhmal präsentierte sie ihr eigenes Werk. Ihre Puppe trägt neben verspielten Kopfputz nichts als eine rosafarbene Tasche. Die Designerin herself, mit typischem schwarzen Pagenkopf und weißer Rüschenbluse zum schwarzen Hosenanzug, sah sich dann ausführlich die restliche Ausstellung an.

Unverkennbar: Chantal Thomass im Schwarz-Weiß-Look vor ihrem Werk.

Designerinnen unter sich: Chantal Thomass tauschte sich mit Esmod-Absolventin Vicky Lin Congqiao aus.
Jeder kennt wahrscheinlich die Jacke aus lauter Kermit-Puppen, mit der Lady Gaga im August für Furore sorgte. Wie wir in diesem Zusammenhang darauf kommen? Sie stammt aus Jean Charles de Castelbajacs aktueller Kollektion. Und der war gestern vor Ort dabei.
Verrückt wie er ist, gab er sich auch bei Unicef nicht mit nur einer Puppe zufrieden. Er nahm gleich 30 und ordnete sie zu einem leuchtenden Totenkopf an. Eins ist sicher: Dieses Werk ist symbolisch nicht zu übertreffen. Castelbajac dokumentiert damit, dass bereits Hunderttausende in der Dafur-Region im Westen Sudans ihr Leben lassen mussten. Viele Kinder dort sind elternlos. Und genau diesen Kindern kommt der Erlös der Unicef-Puppenversteigerungen zugute. Im Jahr 2003 hatte Unicef die Veranstaltung ins Leben gerufen. Letztes Jahr waren bereits über 200.000 Euro zusammen gekommen, dieses Jahr erwarten die Veranstalter noch mehr.

Jean Charles de Castelbajac hat gleich 30 Puppen an sich genommen und daraus einen überdimensionalen Totenkopf kreiert.

Stéphane Rolland, Designer der weiß eingekleideten Puppe, mit Organisatorin Cynthia Sarkis.

Während Designerin Agnès B. ihre Puppe vor einen Berg Zeitungspapier setzte, statteten andere ihr Modell gleich mit einer ganzen Garderobe aus…

Schön bunt und einfach gemütlich, so kennen und lieben wir Fashion von Emilio Pucci!

Zu guter Letzt ließen sich auch die Lolita Lempicka-Mädels blicken. Die Puppe mit dem wohlklingenden Namen Charlotte ist übrigens gehäkelt.

Der Petit Palais war gut besucht, dank Künstlern, Prominenz und Presse.
Ausstellungs-Info
Die Ausstellung Frimousses de Créateurs läuft vom 10. bis 15. November im Petit Palais, Metrostation Champs-Elysées/Clemenceau. Der Eintritt ist frei. Die Versteigerung der Exponate findet am 19. November bei Drouot in der Avenue Montaigne statt.
Ihr wollt mehr? Dann nichts wie dran bleiben! Interviews mit Designern wie Corinne Cobson, Christophe Guillarmé und Clémentine Mauboussin gibt’s morgen früh hier bei styleranking in einem weiteren Artikel.

Ich schreibe drei Monate lang bis Ende November für euch aus Paris. Weitere Berichte aus der Hauptstadt der Mode von mir findet ihr hier:
Pariser Messen: Die Termine für 2010
Stoffmarkt Montmartre: Ein Paradies für Schneider und Designer
Luxus-Shopping in Paris, pt. 5: Rue Saint-Honoré & Place du Marché Saint-Honoré
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