Die Ausstellung Radical Advertising baut im NRW-Forum Kultur und Wirtschaft in Düsseldorf spektakuläre Ambient-Werbeauftritte dreidimensional nach und führt in die Werbewelt des Web 2.0. und auf Youtube. So steht ein zum Hotelzimmer umfunktionierter MINI, der vor den Stadien der Fußball-WM in Deutschland parkte, neben einem schockierenden Gullydeckel, aus dem zwei Hände ragen (für Amnesty International), so wirbt Horst Schlämmer in einem Block für Volkswagen neben einem interaktiven Pissoir für die Frankfurter Taxi-Innung. styleranking hat für euch die Ausstellung besucht und präsentiert auch im zweiten Teil spannende Bilder, vor allem aus der aggressiven Fashion-Reklame.
Der amerikanische Modehersteller American Apperal wirbt mit den Fotos seiner Konsumenten. Foto (c): American Apparel
American Apparel hat sich in den vergangenen Jahren zum größten T-Shirt-Hersteller in den USA entwickelt. Fotos (5): styleranking, (c) American Apparel
Die Fotomodelle für die Werbung von American Apparel sind immer Mitarbeiter oder Konsumenten von AA. Sie schicken ihr Foto von sich in American Apparel-Kleidung ein und das Bild wird von AA als Anzeige veröffentlicht.
Der virale Effekt verhalf American Apparel zu einer stabilen Fangemeinde. AA hat sich im Jugendmarkt den Status einer Kultmarke erarbeitet.
AA sichert seinen oft südamerikanischen Arbeitern einen fairen Lohn zu, bietet die Möglichkeit, sich krankenversichern zu lassen und in kostenlosen Kursen Englisch zu lernen. American Apparel verzichtet auf ein Markenlogo.
Künstler greifen subversiv und agressiv in die Werbewelt ein: Zevs „kindnapped“ Werbefiguren aus Plakaten, Tom Sachs „baut“ in Heimwerkermanier ein McDonald Restaurant nach. Ganz am Ende dieser Reihe steht die Werbung von American Apparel. Ein Konzern, der seine Produkte nicht mit einem Logo branded und der seine Konsumenten als Models in den Anzeigen veröffentlicht. Hier wird nicht nur jeder für 15 Minuten berühmt wie bei Andy Warhol, hier gestaltet der Käufer selber die Anzeige, die ihn animieren soll, Produkte zu kaufen.
Comme des Garcons: 1981 debütierte Rei Kawakubo und ihr Label Comme des Garcons auf der Fashion-Show in Paris und wurde über Nacht berühmt. Fotos (5): styleranking, (c) Comme des Garcons
Kawakubo stellte sämtliche konventionellen Überzeugungen der westlichen Mode in Frage, besonders die, dass Mode sich dem Körper anpassen oder ihm eine schönere Gestalt geben solle. Kawakubo interessierte einzig der skulpturale Effekt, die Materialität, die intellektuelle Aussage. Es ging ihr nicht um die Schaffung von etwas klassisch Schönem.
Kawakubo arbeitet mit Künstlern zusammen - für Modeschöpfer unüblich.
Alle Motive der Comme des Garcons Shirt Campagne auf einer Wand, Agentur House + Holme (c) Comme des Garcons
Mittelpunkt der Ausstellung ist ein Comme des Garcons Guerillastore, der mit den neuesten Modellen des Modelabels und mit Retro-Produkten bestückt ist. Die Jungs von der Shirtdesing-Community A-better-Tomorrow.com haben sich den Store genauer angeschaut - und waren etwas enttäuscht: Andre von ABT schreibt in seinem Blog: “Ich muss sagen ich fand sowohl die Ausstellung als auch den Store langweilig. (…) Na ja sie haben das Event halt gut ‘beworben’.”
Businesscard für den Comme des Garcons Guerillastore (c) NRW-Forum, Comme des Garcons Outfit der Saison Spring/Summer 2008 (c) Comme des Garcons – auch das gibt es im Guerilla-Store im NRW-Forum
Der Store taucht mit Ausstellungsbeginn auf und verschwindet am Ende der Radical Advertising wieder. Ein Konzept, das Comme des Garcons schon in vielen Städten verwirklicht hat. In Berlin, Singapur, Krakau, Glasgow,… ; jedoch noch nie in einem Museum. Rebellisch soll die fortschreitende Merkantilisierung der Museen auf die Ironie-Spitze getrieben werden. Durch den Maschendrahtzaun des Stores richtet sich der vergitterte Blick in die Schauräume des Museums. Und im Museumsraum stehen die Besucher und schauen durch den Zaun in die Glitzerwelt des Konsums.
Cannes, 2006, Auftraggeber: Sisley, Fotograf: Terry Richardson, Foto: styleranking, (c) Benetton Gropu S.p.A.
Der Begriff des „Radical” umfaßt die beiden Seiten der Bedeutung des Wortes - zum Einen das Radikal im Sinne des „Revolutionären” - zum Anderen die eher widersprüchliche Bedeutung des Wortes im Sinne von „fundamental” oder „grundsätzlich”. Und genau darum geht es der Ausstellung: Um Werbung, die einen grundsätzlich anderen Ansatz postuliert, die revolutionär ist, weil sie die Grundlagen des Systems geradezu auf den Kopf stellt.
New York City, 2006, Auftraggeber: Sisley, Fotograf: Terry Richardson, Foto: styleranking, (c) Benetton Group S.p.A.
Während die Ausstellung die Geschichte der Schockwerbung an vielen Beispielen aufrollt und die schnellstlebigen Beispiele von Pop-Up Stores und Guerilla-Aktionen plastisch erlebbar macht, liefert der über 500 Seiten starke Katalog neben den hunderten Bildbeispielen Texte von Peter Wippermann und Diederich Diederichsen sowie zahlreiche Interviews, die Hermann Vaske mit den Protagonisten des Radikalen wie Renzo Rosso (Diesel), Oliviero Toscani (Benetton), Kalle Lasn (Gründer von Adbusters) und Kreativen aus aller Welt führte.
Breastfeeding, 1989, Auftraggeber: Benetton, Fotograf: Oliviero Toscani, Foto: styleranking, (c) Benetton Group S.p.A.
Hier geht’s zum ersten Teil der styleranking-Serie über die Radical Advertising…




























