Von Kim Ernst und Roland Schweins, Düsseldorf/Berlin
Grüne Mode assoziieren die meisten Menschen wohl mit langweiliger und trister Öko-Mode aus vergangenen Jahrzehnten. Doch wie der Begriff vergangene Jahrzehnte schon aussagt, ist das längst nicht mehr der Fall. Auch auf der Berlin Fashion Week haben sich mittlerweile Veranstaltungen etabliert, die nachhaltige Mode präsentieren und Bio-Designern und -Labels die Chance bieten, den (Fach-) Besuchern ihre Kollektionen zu zeigen. Eine dieser Veranstaltungen wurde von den Modedesignerinnen Magdalena Schaffrin und Jana Keller ins Leben gerufen und hört auf den Namen GreenShowroom.
Wir haben mit Magdalena gesprochen und ihr Fragen zum GreenShowroom gestellt. Wieso er gegründet wurde, wer dort ausstellen darf und was die Besucher auf der Berlin Fashion Week erwartet, möchten wir euch im Folgenden verraten.
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Magdalena Schaffrin und Jana Keller sind die Gründerinnen des GreenShowroom. Foto: GreenShowroom
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styleranking: Wie seid ihr auf die Idee gekommen, den GreenShowroom zu gründen?
Magdalena: Jana und ich sind studierte Modedesignerinnen und setzen unseren Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit. Das war schon damals so. Jana macht ja noch eine nachhaltige Taschenkollektion unter dem Namen RoyalBlush und ich hatte bis vor kurzem mein eigenes Label. Leider haben Jana und ich damals keine passende Messe für unsere Kollektionen gefunden. Die Ökomessen, die es bereits gab, wurden unserem Design-Anspruch nicht gerecht und daher kam uns die Idee, eine eigene Messe zu gründen. So ist 2008 der GreenShowroom entstanden.
styleranking: Warum setzt ihr so sehr auf Nachhaltigkeit?
Magdalena: Was sollen wir denn sonst tun? Für mich ist das selbstverständlich. Wenn man sich als Modedesignerin mit der heutigen Gesellschaft und den aktuellen (und globalen) Problemen auseinandersetzt, ist nachhaltige Mode eine sinnvolle Möglichkeit, die sich bietet. Außerdem ist die Modeindustrie eine der größten Umweltverschmutzer. Grüne Mode stellt eine schöne Alternative dazu dar. Allerdings ist es nicht leicht, sich in der Mode und damit auch in der grünen Mode zu etablieren. Die Materialien sind nicht immer in öko verfügbar und auch der Preis spielt natürlich eine Rolle.
styleranking: Was versteht ihr unter "grüner Mode" und nach welchen Kriterien wählt ihr eure Aussteller?
Magdalena: Grün kann man in vier größere Bereiche einteilen. Der Sozialbereich umfasst faire Bezahlung und menschenwürdige Arbeitsbedingungen, der Biobereich umfasst biologisch angebaute Materialien und nach entsprechenden Richtlinien weiterverarbeitete Stoffe und Kleidung. Recycling ist ein weiterer Bereich und die Unterstützung von traditionellem Wissen in der Textilverarbeitung. Unsere Aussteller bekommen von uns vor Teilnahme an der Messe einen ausführlichen Fragebogen zugeschickt, den sie beantworten und der von uns im Team überprüft wird. Zugelassen werden Brands, die es mit der Nachhaltigkeit ernst meinen, mindestens 60 Prozent der Kollektion muss nachhaltig sein, also einem oder mehreren der oben genannten Kriterien entsprechen.
styleranking: Wenn ihr den GreenShowroom auf nationaler und internationaler Ebene vergleicht, seid ihr die einzigen mit diesem Konzept?
Magdalena: Als wir 2008 recherchiert haben, gab es unseres Wissens noch keine Messe mit dem Fokus auf High-End Design oder Luxus in der Verbindung mit Nachhaltigkeit. Allerdings kann ich momentan nicht sagen, ob es inzwischen ähnliche Konzepte gibt.
styleranking: An welche Zielgruppe richtet ihr euch mit dem GreenShowroom?
Magdalena: Zuerst verkaufen wir Mode und sprechen damit modeinteressierte Menschen an, aber natürlich auch die, die bewusst ökologische Kleidung kaufen, wenn der Style passt. Aber es gibt auch viele Leute, die Öko-Mode kaufen, ohne es zu wissen. Man sollte allerdings beachten, dass der Anteil der Gruppe wächst, die sich für nachhaltige Mode interessiert.
styleranking: Das würde dem aktuellen Trend widersprechen, dass alle nur Billig-Mode kaufen möchten…
Magdalena: Das ist natürlich schwierig einzugrenzen. Es hängt auch davon ab, von welcher Gesellschaftsschicht man spricht. Die einen müssen vielleicht aufs Geld schauen und achten deshalb nicht darauf, woher ihre Kleidung kommt - bei anderen spielt der finanzielle Faktor keine große Rolle. Da wird auf Qualität geachtet. Jedoch ist nachhaltige Kleidung nicht automatisch teurer. Es gibt allerdings deutlich weniger "grüne Läden", wo man sie kaufen kann.
styleranking: Die Berlin Fashion Week steht in ihren Startlöchern. Ihr habt den GreenShowroom diesmal in drei Teile eingeteilt. Warum?
Magdalena: Auf der Fashion Week werden stets die neuesten Kollektionen präsentiert. Daher spricht der GreenShowroom Fachbesucher an. Endkonsumenten bekommen normalerweise keine Möglichkeit, die Produkte zu sehen. In diesem Jahr haben wir zusätzlich einen Shop eingeführt. Hier können aktuelle Kollektionen erworben werden und der Verbraucher wird somit involviert. Zusätzlich veranstalten wir eine Salonshow für geladene Gäste, auf der wir Mode unserer Aussteller präsentieren.
styleranking: Verrate uns doch bitte zu guter letzt, welche Highlights die Besucher des GreenShowrooms erwarten.
Magdalena: Da weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Ein Highlight ist Alina Schuerfeld. Sie präsentiert hauptsächlich Schuhe - und die können sich sehen lassen. Außerdem sind wir sehr stolz darauf, ein etabliertes Label aus den USA unter unseren Ausstellern zu haben. Es hat den Namen Stewart + Brown und existiert bereits seit 2002. Außerdem gewannen sie bereits den WGSN Award als "Most Sustainable Brand". Auf das Label. Auf das Label Materia Prima freuen wir uns ebenso. Sie kreieren Schmuck mit Elementen von handbemaltem Porzellan und natürlich zeigt Jana wieder ihr Label RoyalBlush. Ansonsten machen wir dort weiter, wo wir aufgehört haben und präsentieren uns in gewohnter Location im Hotel Adlon.
styleranking: Vielen Dank für das Interview. Wir wünschen euch viel Erfolg auf der Fashion Week.



