In den vergangenen Tagen schwang in Düsseldorf zu den Modeveranstaltungen viel Wehmut mit. Welche Veranstaltung wir auch besuchten, ein jedes Mal beschworen die jeweiligen Veranstalter, dass die Stadt Düsseldorf eine Modehistorie habe und auch künftig ein Modestandort sein werde. In punkto Showrooms trifft dies auf jeden Fall zu. Die Veranstaltungen des Klassenfeindes in Berlin finden in der Regel zu früh für die Einkäufer statt. Dort wird nach Trends geschaut und in Düsseldorf wird von den Ladenbesitzern, Kaufhauseinkäufern und Boutiquen geordert - so war das bislang. Übrigens ist dies ein Anlass für so aufstrebende Lablels wie Mongrels in Common in Düsseldorf ab sofort einen eigenen Showroom zu betreiben.

Elm Design: Fashionshow auf der Düsseldorfer Modemesse cpd. Foto: Tillmann
Einen relativ schweren Stand hat die tradiditonsreiche Messe cpd, die heute zu Ende ging. Wir konnten kaum glauben, was wir da in der Abschlusspressemittelung lesen mussten: Die Veranstalter äußerten sich aktiv zu Spekulationen, ob die Messe im Sommer überhaupt stattfinden werde. "Modemesse auf dem Prüfstand" schreibt die Lokalzeitung Rheinische Post. "Hat die cpd eine Zukunft?" fragte schon unsere Autorin Katrin vor rund einem Jahr. "Warten auf Aussteller", titelte die Welt. Nur das Branchenblatt "Textilwirtschaft" verzichtet auf kritische Töne und stellt fest: "Igedo spricht von Stabilisierung". Im Sommer 2008 kamen über 1750 Aussteller zur cpd, im vergangenen Februar waren es noch 1450 Aussteller, was damals schon wenig war. Im Sommer 2009 buchten über 900 Aussteller eine Standfläche und damit zahlenmäßig schon weniger als zeitgleich bei der Messe Premium in Berlin. Dieses Mal kamen noch etwas über 500 Modelabels mit immerhin der doppelten Zahl von rund 1000 präsentierten Kollektionen, um in Düsseldorf ihr Saisongeschäft zu machen. Gleichzeitig buchen immer mehr Labels einen eigenen Showroom in Düsseldorf - und bleiben der Messe fern. Über 800 permanente Showrooms gibt es aktuell in Düsseldorf.
Die Messegesellschaft Igedo reagiert aktuell mit neuen Konzepten, die wir euch in den kommenden Tagen beschreiben werden. Einige sind spannend - andere zeugen von der offensichtlichen Not: Von Seiten der Verbände - etwa des vor knapp einem Jahr gegründeten Fashion Net Düsseldorf gibt es Initiativen, die noch sehr kurzfristig aus dem Boden gestampft wurden - so etwa die im Dezember hektisch gestartete Aktion Voices of Fashion, die in der Stadt während der Messe kleine Designerlädchen und Kneipen zum "Mitmachen für den Modestandort" gewann. Mit diesem Konzept waren die engagierten Agenturen offenbar so überfordert, dass es auf der Website bis heute nur einen einzigen Blogeintrag im Februar gab, in dem mit hageren Worten den teilnehmenden Labels gedankt wird. Dokumentation der Veranstaltungen auf der eigenen Webpräsenz? Fehlanzeige. Zukunftskommunikation jedenfalls sieht anders aus - die findet dort statt, wo das Publikum und die Multiplikatoren sich befinden. Ob solch über den Zaun gebrochene Konzept das einstige Flagschiff Igedo/cpd unterstützen können - das bleibt dahingestellt. Einstigen Glamour konnte dies jedenfalls nicht vermitteln.
Manchmal - so erinnern wir uns - geht es leider recht schnell mit einem "Aus" - auch für Messen, die sich jahrelang, ja jahrzehntelang etabliert hatten. So musste die Igedo erst im vergangenen Jahr eine herbe Niederlage einstecken, als die Kölnmesse für die Online-Vermarkter eine Konkurrenzveranstaltung einberief. "Wir halten an der Online Marketing Düsseldorf dennoch fest", klang es lauthals noch während der Messe auf der Veranstaltungsbühne, als die Aussteller längst mit dem Kopf und den Vorbereitungen in Köln waren. Ein bisschen erinnern uns diese Zeilen leider an die aktuelle Situation, wenn wir heute die Standortbeschwörungen aktueller Aussteller in der Abschluss-Pressemitteilung lesen: Peter Hofmann und Beate Heymann sagen etwa: "Wir stehen zur Messe und gewinnen zu jeder Messe Neukunden. Der neue Standbau ist sehr innovativ und gelungen." Annett Röstel vom gleichnamigen Label unterstrich: "Bei uns auf dem Stand war am Sonntag sehr viel los, besser geht es nicht. Das ist der Grund, warum ich zur cpd komme und mich nicht auf meinen Berliner Showroom beschränke." "Wir sind super zufrieden und werden unsere Fläche im Juli verdoppeln", gab auch Patrick Draiger von YaYa sein Positivstatement.
"Wir haben in den vergangenen Monaten viele neue Kollektionen für die cpd gewinnen können und viel Energie in den Ausbau unseres Besuchermarketings investiert. Dieser Einsatz hat sich gelohnt", sagte Igedo-Geschäftsführer Philipp Kronen. "Die Stimmung in den Hallen war am Sonntag hervorragend und am Montag immer noch sehr gut. Wir haben mit dieser Veranstaltung ein wichtiges Zeichen gesetzt." Das können wir als Besucher der Messe leider nur in Teilen bestätigen. In den verbliebenen vier Hallen gab es doch einige Leerflächen, die mit Sitzgruppen oder Ausstellungsstücken kaschiert wurden. Die Gänge waren morgens vor allem an den Ständen gut gefüllt, die etwas zu bieten hatten - wie beispielsweise Unique mit dem Auftritt von Monrose - andere Bereiche blieben von einem Besucheransturm verschont. Kronen lässt jedenfalls keinen Zweifel daran, dass die nächste cpd vom 25. bis 27. Juli stattfinden wird. "Die Gerüchte über die Zukunft der cpd haben eine große Welle der Solidarität unter den Ausstellern ausgelöst, die zeigt, dass die cpd ihren festen Platz in Düsseldorf hat und haben wird. Es steht außer Frage, dass sich die kommende Veranstaltung bereits heute einer großen Nachfrage erfreut." styleranking hingegen schrieb schon im vergangenen Januar: "Es bleibt spannend, welcher Standort sich durchsetzt. Momentan spricht alles für Berlin…"
Damit wir uns an dieser Stelle nicht falsch verstehen: Wir finden es schade, dass es in Düsseldorf - wo auch unser Startup styleranking seinen Sitz hat - aktuell eine solche Entwicklung gibt. Wir gehen gern zu den Veranstaltungen und Messen der Igedo und der Messe Düsseldorf und halten vor allem die Schuhmesse GDS für eine der inspirierendsten Veranstaltungen in Sachen Mode überhaupt. Wir sind begeistert von dem Engagement und der Freundlichkeit der Macher - wohingegen es in Berlin manchmal doch recht ruppig, unpersönlich, auf Masse orientiert und in weiten Teilen auch unprofessioneller und improvisierter zugeht. Aber wir glauben auch, dass die Igedo vielleicht zu spät auf die Entwicklungen und das aufstrebende Szenegebaren und den zahlreichen Messezuzug (Jam, thekey.to, Bright, 5elements.berlin, Bread & Butter) in Berlin reagiert hat. Erst im kommenden Mai soll das Messekonzept der cpd erneut im Igedo-Aufsichtsratsgremium diskutiert werden. Das ist sehr spät - vielleicht sollte man sich jetzt mit allen Machern am Modestandort zusammensetzen, denn auch die Showroom-Vermieter profitieren von dem Messe-Event.
Und anstatt mit einem "bleibt zu hoffen, dass sich das wieder ändert" zu schließen, möchten wir einige Gedanken äußern, die wir bei uns im Team immer diskutieren, wenn es um den Modestandort Düsseldorf geht. Wir glauben, dass hier die Interessengruppen noch zu zersplittert sind und es in diesem Falle Aufgabe der Politik - vor allem des Bürgermeisters Dirk Elbers - sein sollte, die Interessengruppen nicht nur an einen Tisch zu bringen, sondern zur Zusammenarbeit anzuhalten - am besten dieser Tage noch. Bekanntermaßen bringt eine Messe nicht nur Aussteller und Besucher, sondern auch Geschäft vom Taxifahrer über den Hotelwirt bis zur Szenekneipe und damit relevante Steuergelder in die Stadt.
Das Verteilen von Strohfeuerchen und Unterstützen einzelner Interessengruppen reicht hier bei weitem nicht aus, um den (Mode-)Standort zu retten. Wir glauben zudem, dass es seitens der Messe nicht genügt, auf Randthemen wie "Maternity" oder "Big is beautiful" auszuweichen, wenn das Problem darin liegt, spannende Namen und Labels in die Stadt zu locken. Gefragt sind heute sowohl junge Designerlabels, die es ja in Deutschland zuhauf gibt und die in Berlin eine Förderung erfahren - als auch etablierte Namen, vor allem aus dem Bereich junger Mode. Dazu zählen auch Diesel, Boss Orange oder innovative Labels wie Yumi oder Dsquared. Und schließlich glauben wir, dass Düsseldorf sich im Standortvergleich noch viel mehr auf seine eigenen Stärken konzentrieren muss, wenn es der Hauptstadt Berlin die Schulter zeigen will. Eine Stärke ist der spätere (Order-)Zeitpunkt. Eine weitere, dass in Berlin zur Fashion Week inzwischen so viele Veranstaltungen angeboten werden, dass kein Einkäufer dieser Welt diese in fünf Tagen Modewoche bewältigen kann. Qualität und Konzentration auf exzellente Labels sind gefragt, um dem Partywahn einen Gegenpol zu bieten - nicht Schwangerenmode, Übergrößen oder "Voices", die heiser flüstern, statt eine Message über den Stadtteil Düsseldorf-Flingern hinaus in die Welt zu transportieren.
Die nächste cpd findet vom 25. bis 27. Juli 2010 in Düsseldorf statt. Dann sind Konzepte gefragt oder bereits alternativ Erklärungen, warum dies alles nicht funktioniert hat. Wir würden gern wieder hingehen, schreiben, fotografieren und von Trends berichten. Düsseldorf - wach auf!












Februar 21st, 2010 um 12:02
Lesenswert in diesem Zusammenhang und eine Fortführung der Diskussion:
1. Modekrieg in Düsseldorf: Igedo-Chef Philipp Kronen kontra Wiethoffs “fashion week”- CPD mit Besucherplus, keine Millionenverluste http://www.duesseldorf-blog.de/2010/02/18/modekrieg-in-dusseldorf-igedo-chef-philipp-kronen-kontra-wiethoffs-fashion-week-cpd-mit-besucherplus-keine-millionenverluste/#more-12348
Sowie die Reaktion der Igedo auf Facebook:
2. http://www.facebook.com/cpd.tradefair.for.womenswear.accessories#!/cpd.tradefair.for.womenswear.accessories?ref=ts